BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Die Schwarze Heide bei Barienrode

Die Schwarze Heide bei Diekholzen
Am Mühlenberg bei Barienrode befindet sich fast die einzige Heidefläche im Landkreis Hildesheim

Der Mühlenberg über Barienrode weist eine Besonderheit für den Hildesheimer Raum aus: Die Schwarze Heide. Sie liegt im gleichnamigen Naturschutzgebiet, das zum Erhalt dieser Landschaftsform eingerichtet wurde. Hier wächst die Besenheide (Calluna vulgaris) flächenhaft auf dem Kamm des Höhenrückens. An den Rändern stehen einzeln oder in kleinen Gruppen Eichen und Birken. Warum, so mag man sich fragen, kommt dieser Lebensraum nicht häufiger vor in unserer Heimat? Die Heidepflanze verlangt mehrere Bedingungen um sich flächig ausbreiten zu können. Sie benötigt Nährstoffarmut auf saurem Boden und viel Licht. Dafür sorgen einerseits der Untergrund aus saurem Keuper-Sandstein und andererseits der Mensch, der schon seit Jahrhunderten hier eingreift und das Entstehen von Wald verhindert. Früher durch Beweidung und gelegentliches Abbrennen, (schwarze Heide) heute durch Aktivitäten von Naturschützern, die diesen kleinen Restbestand der einstmals viel ausgedehnteren Kulturlandschaft Heide erhalten wollen. Ein- bis zweimal im Jahr rücken Mitglieder des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) der Bürgerinitiative "Gute Luft" und Diekholzener Bürger mit ihren Hacken den neu aufgeschossenen Birken und Pappeln zu Leibe, weil die der Heide sonst sehr rasch das Licht nehmen würden.

Arbeitseinsatz

Zusammengeführt hat die Naturschützer der Widerstand gegen den am Fuß des Mühlenbergs gebauten Schweinestall. Gemeinsam erreichten sie, dass Filter nicht nur den Geruch, sondern auch den in der Stallabluft enthaltenen Stickstoff zurückhalten. Der hätte sonst über den Luftpfad die Konkurrenten der Heide so stark gedüngt, dass sie recht bald überwuchert worden wäre. Um herabgeregnete Nährstoffe gründlich zu entfernen, wurde vor sieben Jahren der Oberboden in Teilbereichen komplett abgeschoben. Auf dem nackten Rohboden hat sich die Heide neu angesiedelt und so gut entwickelt, dass diese Maßnahme vor 2 Jahren auf anderen Flächen wiederholt wurde.  

Johanniskraut
Das Liegende Johanniskraut wächst auf sauren Böden

Spaziergänger auf dem Mühlenberg-Kamm können sich an einer von Jahr zu Jahr prächtiger blühenden Heide erfreuen. Sie stellt zugleich einen speziellen Lebensraum dar, der verschiedenen seltenen Pflanzen und Tieren Lebensmöglichkeit bietet. So kommen hier u. a. zwei kleinwüchsige Blütenpflanzen vor, die auf offenem Boden in den Lücken der Heidepflanzen wachsen. Der Kleine Vogelfuß (Ornithopus perpusillus) aus der Familie der Schmetterlingsblütler erhielt seinen Namen aufgrund der Anordnung seiner Fruchthülsen, die dem Fuß eines Vogels ähneln. Diese unauffällige Pflanze ist sonst weit und breit nicht zu finden und wurde für das niedersächsische Hügel- und Bergland als gefährdet eingestuft.

 

Die zweite Pflanze offener Bodenstellen ist das Liegende Johanniskraut (Hypericum humifusum). Die Triebe kriechen auf dem Boden und bilden an der Spitze mehrere kleine, gelbe Blüten aus. Im Jahr 2014 war dieses Johanniskraut nicht selten auf den abgeschobenen Flächen der Schwarzen Heide zu finden. Es benötigt sauren Boden und konnte auch im Hildesheimer Wald gefunden werden.

von Wolfgang Höxter:Die Fühlerenden der männlichen Keulenschrecke sind deutlich verdickt

In den Heidelücken bilden sich kleinflächig Magerrasen mit niedrigen Gräsern aus. Hier leben zwei Heuschrecken-Arten, von denen jeweils nur ein weiteres Vorkommen im Landkreis Hildesheim bekannt ist. Der in Deutschland gefährdete und in Niedersachsen stark gefährdete Kleine Heidegrashüpfer (Stenobothrus stigmaticus) kommt in der Schwarzen Heide in einer stabilen Population vor. Auch die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) ist dort nicht selten. Die Fühlerenden dieses hübschen Grashüpfers sind -insbesondere bei den Männchen- keulig verdickt. In mageren, offenen Sandbereichen des östlichen Tieflandes in Niedersachsen ist diese Art häufig zu finden.

 

Günter Grein, Matthias Köhler

Quelle: http://hildesheim.bund.net/themen_und_projekte/schwarze_heide/